Das letzte Abendmahl
Der Ausgangspunkt mich mit afrikanischen Masken intensiver zu beschäftigen waren die Ergebnisse, welche ich aus früheren Studien zu den Themen Polarität, Symmetrie und menschliches Gesicht gewonnen hatte. Aber auch die spezifische Ästhetik dieser Objekte, welche ja in der Vergangenheit schon so oft Einfluss auf die europäische Kunst genommen hatte, gewährte mir einen Zugang.
Die erste Maske, die in dieser Serie entstand, war die rote Duala-Maske aus Kamerun. Sie stilisiert als Einzige ein Tier – vielleicht ein Gnus. Ich fühlte mich hierbei von der Abbildung in einem Buch angesprochen. Die zweite Maske, die ich anfertigte, war die dunkelblaue Fang-Maske aus Gabun. Diese besitzt 12 stilisierte Zähne. So kam mir die Idee Leonardo da Vincis „Letztes Abendmahl“ zu zitieren: 13 unterschiedliche Masken, wobei die dunkelblaue Maske Jesus in zentraler Position darstellen sollte. Aber anders als Leonardo, der die Szene mit Figuren darstellte und den Jüngern jeweils ein Tierkreiszeichen mit einem spezifischen Gestus zuordnete, entschied ich mich einen anderen Weg zu nehmen, nämlich jeder Maske bzw. jedem Jünger eine Farbe zuzuordnen. Dabei wurde auf eine spezifische Zuordnung einer Farbe zu einem ganz bestimmten Jünger verzichtet. Stattdessen wollte ich die einzelnen Farben aus den drei Grundfarben Rot, Blau und Gelb herleiten. Die vier Farben 2. Ordnung (Orange, Violett, Grün und Dunkelbraun) gehen dann aus Mischungen der drei Grundfarben hervor. Dabei sind die dazugehörigen Masken in Frontalansicht gemalt, – die Masken mit den Farben 3. Ordnung auch plastisch. Die Zuordnung der Farben 3. Ordnung zu sechs weiteren Masken wurde nach dem Komplementaritätsprinzip fortgeführt. Diese sechs Masken bilden zwei Dreiergruppen, in denn vier Masken in Seitenansicht abgebildet sind, so dass die zwei verbliebenen – in Frontalansicht gezeigten Masken – von diesen eingeschlossen werden – also ähnlich, wie es Leonardo tat. Die hellblaue Lwalwa-Maske aus dem Kongo enthält wieder das Himmelblau, in dem das Blau der Maske des Jesus bereits enthalten ist. Dadurch – mit dem männlichen Kind – muss man sich also den Zyklus wieder von vorne, in der Mitte beginnend, vorstellen. Die Masken mit den Farben 2. Und 3. Ordnung sind zusätzlich mit einer jeweils spezifischen Anzahl von Zwischentönen gestaltet, und zwar – von innen nach außen gezählt – mit zwei bis vier unterschiedlichen Farbtönen. Sämtliche Masken sind zudem mit Grautönen gemalt, wobei hier auch nur drei Kaltgraustufen zum Einsatz kamen. Zugleich wurden alle Masken auf schwarzem Fotokarton dargestellt und mit schwarzen Passepartouts versehen, welche die Profillinien der Gesichter nachzeichnen (auf der Website nicht zu sehen). Auf Weiß wurde bewusst verzichtet. Damit soll auf den Ursprung des Arrangements verwiesen werden, nämlich Schwarzafrika und seine Menschen.














